Kindheiten
Im
Spiel
planAnhand von biografischen Interviews mit Kindern aus Leipzig, Zürich, Duisburg und Berlin entwickelt vorschlag:hammer eine Inszenierung. Die Kinder erzählen (von) sich selbst und über ihr Leben – mal erwartbar, mal überraschend, mal unangepasst. Gesprochen und gespielt werden die Texte von Erwachsenen. Es entsteht ein vielstimmiges und eigenwilliges Bild aus kleinen Biographemen, in dem Fiktion und Wirklichkeit, Vergangenheit und Zukunft sich in der Gegenwart aufzulösen scheinen. In der Aushandlung zwischen der erwachsenen Perspektive und den Texten der Kinder entsteht eine Spielebene, die sich scheinbar biografischer Logik und ihrer Zeitlichkeit immer wieder widersetzt. Das Erleben von Kindern in einer alternden Gesellschaft wird so vielschichtig und offen befragt. Ein Zustand zwischen reflektieren und sein, zuhören und spielen, wissen wollen und besserwissen.
Mit feinem Gespür für die kleinen Momente geht vorschlag:hammer den Perspektiven dieser Kinder nach – Beobachtungen aus dem alltäglichen Leben, die ein Panorama zu Kindheiten in 2025 auffächern. Ein Abend, der versucht Kinder ernst zu nehmen und ihnen ihre eigene Perspektive zu lassen.
Wenn man die genaue Beobachtungsgabe und den anarchischen Spieltrieb der Kinder ernst nimmt, dann sind sie so entlarvend, dass man – vielleicht aus Notwehr – gar nicht anders kann, als laut zu lachen. Dieses Lachen hat dann wiederum etwas enorm Befreiendes, als dürfte man doch kurz nochmal wirklich mitspielen. Absurdes Theater vom Allerfeinsten, das ganz bestimmt hochverdientermaßen zum Festivalhit avancieren wird.
nachtkritik.de, 16.06.2025
Kristofer Gudmundsson, Gesine Hohmann, Clara Minckwitz und Stephan Stock (…) begeben sich überwiegend in die Perspektive ihrer jungen Gesprächspartner und vollziehen mit ironiefreier Entflammtheit ganz Alltägliches, vermeintlich Banales nach. Eben das, was Kita- oder Grundschulkindern erzählenswert erscheint.(…)„Kindheiten“ zielt darauf, Erwachsene zum Zuhören zu sensibilisieren, gerade dort, wo es nicht um Dramatisches oder Spektakuläres geht (nur am Rande ist mal von der Scheidungssituation der Eltern die Rede) – sondern schlicht um den eigenen Blick der Kinder auf die Welt. Darum, wie sie ihr Erleben in Worte fassen. (…)Diese Performance verfolgt eben ein anderes Konzept. Eins, das hervorragend aufgeht. Die Vermittlung der Kindererzählungen durch Erwachsene schärft die Auseinandersetzung mit der eigenen Bereitschaft, sich wirklich auf diese Inhalte einzulassen(…) Und das genaue Zuhören lohnt sich, weil es nachdenklich stimmt.
Tagesspiegel, 16.06.2025
Es ist eine konstruktive Komik, weil sie sich nicht über Kinder lustig macht, sondern deren Aussagen ernst nimmt und damit eine neue Sicht auf ihre Lebenswirklichkeiten eröffnet. (…) Was die Aufführung zu einer ebenso erhellenden wie unterhaltsamen Angelegenheit macht, ist auch die Selbstverständlichkeit, mit der das Ensemble sich auf die zahlreichen Assoziationen und Gedankensprünge ihrer jungen Interviewpartner einlässt. Letzteres rückt das Stück fast schon in die Nähe von absurdem Theater. Hinzu kommen Passagen, in denen die Darsteller bewusst aus der Rolle fallen und ihr Vorgehen diskutieren. In diesem Zusammenhang stellen sie sich auch die Frage, ob das Stück eher für Kinder oder für Erwachsene sei. Die Entscheidung fällt dann auf Erwachsene, und der große Applaus des Publikums bestätigt es.
Westfälische Nachrichten, 01.03.2026
von und mit Kristofer Gudmundsson, Gesine Hohmann, Clara Minckwitz und Stephan Stock
Grafik: Simon Koschmieder
Eine Produktion von vorschlag:hammer in Koproduktion mit Ballhaus Ost, Ringlokschuppen Ruhr, Pumpenhaus Münster, ROXY Birsfelden und dem Werkraum Schöpflin.
Gefördert durch die Spitzenförderung Theater des Landes NRW