Spiel
plan
So many adventures couldn’t happen today
So many songs we forgot to play
So many dreams swinging out of the blue
We’ll let them come true
Alphaville
Kaum ein kulturelles Produkt vermag derart zu emotionalisieren wie Popmusik. Ob während eines Konzerts, auf einer Autofahrt oder allein im Jugendzimmer – sie kommen ganz von allein, die eigenen und die geteilten Gefühle und Erinnerungen, die wir durch Popmusik erleben. Gleichzeitig wird gerade Popmusik als oberflächliche Kunst rezipiert und wenn im Theater ein emotionalisierender Hit gespielt wird, ist das nicht selten ironisch.
“Das Vergnügen, das Popmusik erzeugt, ist ein Vergnügen der Identifikation“, so der Musiksoziologe Simon Frith. Diedrich Diederichsen beschreibt: “Das Populäre überformt gemeinsame Erfahrungen kulturell, die aber im Hinblick auf die Umgebung, in der die Leben, die diese Erfahrungen machen, besondere Erfahrungen sind(…)Popmusik ist oft das Ergebnis einer nicht aufgelösten Spannung von Vereinigung und Trennung, Gemeinsamkeit und Besonderheit”.
“Infintiy 2026” ist vorschlag:hammers erster Liederabend. Nachdem das Kollektiv 16 Jahre lang an der Rampe erzählt hat, ist es Zeit für einen Unterbruch. In der Tanzschule ihrer Jugend stellen Gesine, Stephan und Kristofer die Showtreppe auf und spielen ein Konzert mit ganz großen Hits. Über mindestens 10 Songs von System of a Down und Adele bis Rondo Venziano gehen die drei der Frage nach, wie und wann gute Unterhaltung gelingt. Wie schaffen Sie es, einen Abend zu erzeugen, der magical ist. Welche Strategien taugen zur Herstellung geteilter Momente der Freiheit und Losgelöstheit mit dem Publikum. Durch eine biografische und theoretische Recherche der Popkultur ihrer Jugend, ihrer individuellen wie kollektiven Vergangenheit, wollen sie Situationen und Anlässe, Momente und Musikstücke finden, um sie zu re-inszenieren. Der Musiker und Kulturwissenschaftler Sebastian Kunas begleitet die Gruppe musikalisch und poptheoretisch in ihrer Suche.
Momente gesellschaftlicher Dimension treffen auf persönliche Erinnerungen aus dem Leben der Performenden und auf den Kanon der Popkultur, werden auf die Bühne gebracht und zu einem assoziativen Abend verwoben. Aus Power Ballads und Teufelsgeigen, einem Standardsolo, Power Metal und gemeinsamem Singen mit dem Publikum soll ein Aufführungserlebnis entstehen, das Pop als geteiltes Phänomen ernst nimmt. Wie entstehen Momente wie die nächtliche Autofahrt, auf der mit vollem Herzen eine wunderschöne Ballade aus dem Radio mitgesungen wird, auf der Bühne? Wie kann das “The Voice” Casting, an dem eine junge Mutter sich zum ersten mal von der ganzen Welt gesehen fühlt reenactet werden? Mit Pathos und Wehmut wird gefeiert, was ist, was war und was hätte sein können. Zwischen Konzert und Videoclip, Fernsehshow, Tanztheater und der zarten Ausgelassenheit des Abrockens im eigenen Wohnzimmer sucht “Infinity 2026” nach Momenten, die die Performenden selbst und das Publikum echt und ehrlich berühren. Ein “Theater der Peinlichkeit” als unironischer Raum für große Gefühle, das das kathartische Potential von Theater ernst nimmt.

